2007 April

Humanitärer Einsatz in der Ukraine vom 10. – 17. April 2007

Unsere Abreise in die Ukraine hatten wir für Dienstag, den 10.4.07 festgelegt. Pünktlich zur aus-gemachten Stunde und bei herrlichem Sonnenschein trafen sich in der Hellensteinstraße: Peter Mal-ter, Maria Salak, Natalia Traurig, Brigitte Hovland und Sepp Rammelsberger. Auch diesmal schlug P.Malter beim Anblick unseres Gepäcks, die Hände über dem Kopf zusammen. Trotzdem meisterte er das Ladeproblem wie immer: hervorragend! Mit einiger Verspätung kamen wir auf die Autobahn. S.Rammelsberger war über den mäßigen Verkehr froh und überließ mir in der Oberpfalz das Steuer bis zur polnischen Grenze bei Zgorzelec. Kurz nach der Grenze war die gut ausgebaute Autobahn zu Ende. über relativ gute Straßen kamen wir zügig voran. In der Nähe von Krakau wurde an der Auto-bahn eine längere Rast eingelegt und gleichzeitig die Formulare für den Grenzübergang ausgefüllt. Hinter Krakau endete die Autobahn und die Großbaustelle vom vergangenen Herbst war geschrumpft, aber trotzdem ging es nur langsam voran. Die Strecke über Tarnow und Rzeszow zog sich hin. Als wir uns gegen 7 Uhr der Grenze näherten waren wir schon gespannt, was uns diesmal erwarten würde. Eine kleine Neuerung: über den Kontrollkästen waren Namen und Bild des Diensthabenden Beamten für eventuelle Beschwerden angebracht. Und noch eine Neuerung: andere Formulare! Also war die Mühe in unserer Pause umsonst! Aber wir nahmen es mit Humor. Die Beamtin war freundlich und wir kamen ohne Schwierigkeiten und mit einem „Guten Tag“ über die Grenze.

Mittwoch 11.04.2007 Ankunft vor unserem Quartier um 10.15 Uhr. Wir hatten genau 1.323 km zurückgelegt. Untergebracht waren wir wieder in der Caritaswohnung in der Kopernikastraße. 13 Uhr hatten wir schon unseren ersten Termin in der Meisterschule für Mode angemeldet. Der alte Direk-tor Herr Prokopjuk begrüßte uns am Bus und die Konrektorin Frau Maria Patyc empfing uns im Vorzimmer des Sekretariats. Sie freute sich über eine neue Nähmaschine die wir aus München mitbrachten und die große schwere Tüte mit verschiedenen Katalogen. M. Salak hatte gebeten keine Bewirtung vorzubereiten, aber wir kennen die ukrainischen Freunde schon, sie können nicht über ihren Schatten springen. Auf uns wartete ein kleines Buffet. Beim Anblick stellten wir fest, dass wir doch hungrig waren. Direktor Daz erschien mit Verspätung. Er berichtete, dass aus Kostengründen die Lehrjahre verkürzt und nur noch eine schwache Grundlage für die Ausbildung gelegt werden soll. Sie sehen dieser Entwicklung mit mehr als gemischten Gefühlen entgegen und hoffen, dass die Kürzungen doch nicht so groß ausfallen.
Station zwei war das Straßenkinderheim. Hier hatte sich im Herbst die Leiterin bereit erklärt, die Paketverteilung in Lviv zu übernehmen. M.Salak und P.Malter kontrollierten mit ihr die Listen, be-sprachen einige kleinere Probleme und schon waren wir auf dem Weg in die Universitätsklinik, wo wir von Dr. Iwasjuk und ihrer Kollegin erwartetet wurden. Im winzig kleinen Ärztezimmer wurde bespro-chen, was nötig war. Davon bekam ich nicht viel mit. Was mich mehr interessierte war eine unförmige Maschine, die dort abgestellt war. Es handelte sich um ein altes, aber immer noch funktionsfähiges Hirnstrommessgerät von 1970! Bei der Verabschiedung gab uns Frau Dr. Iwasjuk eine Bitte der Gefäßchirurgie mit auf den Weg: OP-Stützstrümpfe. Vor einigen Jahren waren die Ärzte noch etwas skeptisch, inzwischen haben sie den großen Nutzen dieser Strümpfe erkannt und sie werden benutzt. Wir haben den Wunsch notiert.
Nächster Besuch war bei Dr. Lozynsky in der Proktologie. Er berichtete, dass er einige Artikel aus der letzten Sendung an ein anderes Krankenhaus weitergegeben hat. Er zeigte uns eine Reihe von Stuhlbeuteln, darunter ein besonders großes Exemplar, was er aus Irland bekommen hat, das für ein größeres OP-Feld mit verschiedenen Öffnungen benötigt wird. Dr. Lozynsky wird einen Brief an Pro-fessor Englert aufsetzen, ihm für sein Vertrauen danken und ihm einen Bericht über seine jetzige Arbeit übersenden. Professor Englert rät Dr. Lozynsky, doch einen Kongress zu organisieren.
Letzte Station war das Kinderkrankenhaus. Hier erwarteten uns Wsewolod Lopuschansky, Sekretär von „Welt des Kindes“ und Arnold Nowak. Unser Bus wurde erheblich entlastet, sprich viel Gepäck wurde ausgeladen. Im Büro von Herrn Lopuschansky wurden wir von Dr. Wosnyzja und seiner Frau herzlich begrüßt. Herr Lopuschansky berichtete uns, dass in Kiew ein neuer Direktor für das Caritas Kindererholungsheim in den Karpaten eingesetzt wurde. Es wird über eine Preiserhöhung der Ferien-aufenthalte diskutiert und es wird über eine erweiterte Nutzung der Kinderferienaufenthalte nach-gedacht. Neue Häuser werden gebaut, da die Anlage in Zukunft auch im Winter genutzt werden soll und dadurch mehr ausgelastet wird. P.Malter signalisierte, dass wir uns Gedanken über eine Änderung in unserer Arbeit machen. Vorstellbar wäre, die Hilfstransporte einzustellen und das Kinderprojekt auszuweiten, ebenso die Hilfe für Operationen. Dr. Wosnyzja informierte uns, dass auch von Seiten des Vereins „Welt des Kindes“ über eine Erweiterung der Arbeit nachgedacht wird. Es wäre vorstellbar, Kinder aus gefährdeten Familien, die psychotherapeutische Hilfe brauchen, mit in die Ferien zu nehmen. über dieses Thema soll weiter intensiv nachgedacht werden.
Es war spät geworden und nach dem anstrengenden Tag waren wir mehr als müde. Trotz ständiger Telefonanrufe, ließen wir den Tag mit einer Brotzeit ausklingen. Dabei besprachen wir auch unsere Vorgehensweise für den kommenden Tag, an dem wir ein Gespräch mit Bürgermeister Horatschek anberaumt hatten.

Donnerstag, 12.04.2007
S. Rammelsberger holte uns um 8.30 Uhr ab. Mehr als pünktlich kamen wir nach Chodoriv und wurden von Maria Kalynec und dem Bürgermeister erwartet. Dieses Gespräch war notwendig geworden, da Frau Kalynec in den letzten Monaten mehr und mehr über eine starke Behinderung ihrer Arbeit durch den Bürgermeister klagte. Gipfel dieser Behinderung war, dass Frau Kalynec nicht mehr mit Leuten der „Barmherzigkeit“ in die Halle zur Ausgabe der Spenden gehen durfte, sondern mit einer Person aus dem Stadtrat. Der alte Bürgermeister hatte seine Wahlniederlage immer noch nicht verwunden und bringt immer wieder durch seine Anhänger böse Gerüchte über Frau Kalynec in Umlauf. Diesmal kamen aus der „alten Riege“ einige Frauen, die sich beim jetzigen Bürgermeister beklagten, dass ihre Pakete geöffnet worden waren oder sie überhaupt keine Pakete erhalten hatten.
Fazit dieses Gesprächs war:
P.Malter und M.Salak versicherten, dass Frau Kalynec nach wie vor das volle Vertrauen von uns habe.  Sie könnten sich an dieser Stelle keine Bessere vorstellen. Die Vorwürfe der geladenen Frauen haben sich als haltlos erwiesen. Sie werden in Zukunft keine Spenden mehr erhalten.
P.Malter bekräftigt vor dem Bürgermeister, dass allein unser Verein über die Vergabe der Hilfsgüter bestimmt. Frau Kalynec stimmt ihre Arbeit mit M.Salak und P. Malter ab. P.Malter macht dem Bürgermeister klar, dass gut wäre, wenn er sich solidarisch hinter Frau Kalynec und die Arbeit der Barmherzigkeit stellen würde. Bürgermeister Horatschek wird die Einschränkungen aufheben und Frau Kalynec wieder arbeiten lassen wie zuvor. In Zukunft sollen schlecht verpackte und beschädigte Pakete unter Aufsicht neu verklebt werden. Frau Kalynec vertritt noch einmal deutlich ihren Standpunkt, dass sie alle Dokumente bekommt und weiter für alles verantwortlich ist. Sie hofft, dass die Arbeit in Zukunft wieder vertrauensvoll wie am Anfang weitergeführt werden kann. Außerdem soll der Verein Barmherzigkeit sich in Kiew als selbständige Organisation registrieren lassen.
Die emotional geführte Debatte wird nach 2 Stunden beendet. Wir verließen diese Zusammenkunft sehr erschöpft und erledigten im Büro von Maria Kalynec die üblichen Formalitäten wie Kassenprü-fung etc. Alle Belege waren sauber und genau dokumentiert, die Abrechnung stimmte. Frau Kalynec hatte im letzten Vierteljahr alle Adressen überprüft, Besuche durchgeführt und neue Adressen aus dem Umland mit auf die Liste geschrieben. Eine sehr aufwendige Arbeit. Anschließend waren wir, zusammen mit ihrer Kollegin Frau Jaroslawa, bei ihr zum Essen eingeladen.
Gegen 16 Uhr machten wir uns auf den Rückweg. Unterwegs kam ein Anruf vom 2. Bürgermeister, Ihor Lentsyk, dass eine kirchliche Delegation aus Ternopil uns sprechen wollte. Er bat uns anzuhalten und zu warten. Es waren drei hochrangige Vertreter der orthodoxen Kirche, die unseren Verein um Hilfe baten.
Zuhause angekommen merkten wir erst, wie uns dieser Tag erschöpft hatte. Nach einer kurzen Brotzeit waren wir auch schon im Bett.

Freitag, 13. April 2007
Wir waren in Turka angemeldet. Auch heute wieder eine schöne Überlandfahrt mit den schon ge-wohnten Schlaglöchern. Und wieder große Familienclans auf den Äckern. Wir sahen sogar einen Traktor, der die Erde umpflügte. Was mich faszinierte, waren die Störche, die in den Furchen nach dem Traktor eifrig Beute einsammelten. Ich zählte auf einem Acker 8 Störche. Auf dieser Strecke gibt es viele Fischweiher und kleinere Seen. In allen war wieder Wasser eingelassen und an einer Stelle wurde an der Straße frischer Fisch verkauft!
M.Salak hatte im Herbst ein Dankschreiben für die guten Betten aus dem Krankenhaus in Sambir erhalten. Wir hatten beschlossen, bei einem der nächsten Besuche dort vorbeizuschauen. In Sambir war Markt, und entsprechend verstopft waren die Straßen. Wir fragten uns nach dem Krankenhaus durch. Das Krankenhaus besteht aus vielen 3-stöckigen Häusern, und es war ziemlich viel los. Wir erfuhren, dass gerade zu diesem Zeitpunkt ein Krankenzimmer nach westlichem Standard eingeweiht wurde. Das Zimmer wurde von einem Unternehmer aus Sambir gesponsert, und natürlich waren zu diesem Anlass die örtliche Presse, Honoratioren und die Geistlichkeit vor Ort. Für die kleine Stadt Sambir eine kleine Sensation.
Die Chefärztin, die sich um uns kümmerte, zeigte uns einige Krankenzimmer und die Wachstation. Sie erklärte, dass der Bezirk Sambir insgesamt 740 Krankenbetten hat, allein hier im Haus 330 Betten. Dass sie auf Hilfsmittel angewiesen sind, musste sie uns nicht extra erzählen. Der junge Arzt, der uns zurück zum Auto brachte, freute sich über einige Zuckermessgeräte, die Maria Salak in München gekauft hatte. Unterwegs erreichte uns ein Anruf von Frau Kalynytsch, dass im Krankenhaus ein Arzt auf uns warten würde. M.Salak teilte ihr mit, dass wir grad aus dem Krankenhaus kämen und bereits auf dem Weg nach Turka waren.
Am Fuße der Karpaten war es noch fast winterlich. Huflattich säumte die Wegränder und an den Bächen sahen wir sattgelbe Sumpfdotterblumen. In den Gärten der Häuser ganze Felder mit Osterglocken. An der Stadtgrenze wurden wir durch den Schlagbaum aufgehalten. Diesmal mussten wir die Pässe vorzeigen, da nützte uns auch nicht, dass wir in humanitären Angelegenheiten unterwegs waren.
Erstes Ziel das Waisenhaus. Myroslawa Kalynytsch war noch in ihrem Büro, kam aber nach 5 Minuten und begrüßte uns sehr herzlich. Dann begaben wir uns auf „Inspektionsreise“. Die neu eingerichteten Duschen konnten im Moment nicht genutzt werden, da der Elektroboiler defekt und kein Geld für eine Reparatur vorhanden war. Die neue Waschmaschine muss auch angeschlossen werden. In der Küche wurden wir freundlich begrüßt und es kam ein dickes Dankeschön für die neuen Kaffeehaferln, die wir gesammelt hatten. Ebenso freuten sie sich über den von A.Nowak spendierten Messerblock.
Die Direktorin erzählte uns von einem neuen Problem durch die Verwaltung. Im Haus gibt es eine größere Anzahl von Halbwaisen, die 300 Hryvni Rente bekommen. Aufgrund dieser Tatsache dürfen die im Internat wohnenden Halbwaisen im Haus nicht verpflegt werden. Wie sie dieses unmenschliche Problem lösen wird, weiß sie noch nicht, aber sie wird die Kinder auf alle Fälle weiter mitverpflegen auch wenn sie dadurch Schwierigkeiten in Form von unangesagten Kontrollen während des Essens auf sich zukommen sieht. Die Küche bittet uns um einen elektrischen Fleischwolf für ca. 12 kg Fleisch und Kochtöpfe. Ebenso brauchen sie für die Tische kleinere Serviertöpfe. Frau Kalynytsch soll einen Kos-tenvoranschlag einholen, wir werden diese finanzieren.

Der nächste Besuch führte uns in die Poliklinik. Hier ist der Sitz der Verwaltung aller Krankenhäuser im Bezirk. Wir parkten im Hof, wo wir gleichzeitig die „Krankenwagenflotte“ bestaunen konnten. Ich sah eine Krankenschwester am Ziehbrunnen Wasser holen. Seit der großen Überschwemmung gibt es kein Wasser, die Leitungen sind alle kaputt, das Wasser ist nur zum Waschen geeignet. Es ist kein Geld vorhanden, diese zu reparieren. Für uns Westler genauso unvorstellbar, wie der Zustand der Krankenwagen!
Freundlich wurden wir vom Chefarzt begrüßt, Kaffee wurde gereicht und Maria Salak und Peter Mal-ter besprachen administrative Probleme mit ihm. Auch er bedankte sich für die Krankenhausbetten, die für die Region sehr wichtig sind. Anschließend besuchten wir die Chirurgische Klinik.  Grund unserer Visite war das Ultraschallgerät. Wir wollten prüfen, ob es in Gebrauch ist. Wenn nicht, sollte es in eine andere Abteilung untergebracht werden. Unsere Gruppe wurde vom Chefarzt, der uns im Oktober so brüskierte hatte, begrüßt. M.Salak sagte ihm ganz deutlich, dass er uns mit seinem Verhal-ten sehr gekränkt hat und das wäre eines Chefarztes nicht würdig.
Die Mittagszeit war schon weit in den Nachmittag hineingerückt, wir fuhren mit M.Kalynytsch in ein neu eröffnetes Lokal zum Essen. Hier wurde auch alles weitere besprochen und die üblichen Formalitäten erledigt. Es war spät geworden und wir machten uns auf den Heimweg. Kurz vor Sambir stand ein geparktes Auto am Wegrand. Der Fahrer des Wagens bedeutete uns mit der Lichthupe und Handzeichen langsamer zu fahren. Wir dachten an eine Radarkontrolle und S.Rammelsberger drosselte das Tempo. Wenig später überholte uns der VW und schnitt uns den Weg ab. Wir waren erstaunt, denn zu schnell gefahren waren wir wirklich nicht. Der Mann stellte sich als Dr. Tschaplinski vor. Es war der Arzt, den wir vormittags verpasst hatten. Er wollte uns unbedingt kennen lernen und zu einer Tasse Kaffee einladen. Er meinte leicht lächelnd, wenn er es nicht geschafft hätte uns zu stoppen, spätestens am Ortseingang hätte uns die Polizei auf seine Bitte hin aufgehalten. Wir mussten über diesen Überfall lachen. Er brachte alles so freundlich vor, dass wir ihm die Bitte nach einer Fahrtun-terbrechung nicht abschlagen konnten. Einige Meter nach unserer Stoppstelle war ein großes neues Gebäude, dorthin lotste er uns. Diese Lokalität entpuppte sich als kleiner Freizeitpark mit Ausflugs-lokal. Die Anlage gehörte dem tüchtigen und sozialen Geschäftsmann, dem sicherlich das neu einge-weihte Krankenzimmer nach Westart zu verdanken war. Über ihn war im Westfernsehen sogar ein Film zu sehen:  „Der Wilde Osten“. Dieser Mann begrüßte uns und zeigte uns seine Tiere: Rentier, Strauße, Bären, Löwen, Wölfe, Rinder und Pferde. In seinem Haus gibt es größere Räume in denen verschiedenste Festivitäten abgehalten werden können. Hinter dem großen Haus befand sich seine Fleischfabrik. Wir bekamen eine kleine Kostprobe seiner Produkte zum Kaffee serviert. Dr. Tschaplinski ist Orthopäde und Leiter der Traumatologie und Orthopädischen Klinik. Er bekam damals Betten von Frau Kalynytsch und bat uns, ihn und seine Arbeit mit noch mehr Betten zu unterstützen. Er hat nur noch Betten, die nicht mehr repariert werden können. Er wäre auch für andere Dinge, wie z.B. Instrumente und diverses medizinisches Zubehör, Computer und Waschmaschine sehr dankbar, da es nichts, aber auch gar nichts gibt. Vordringlich aber wird Bettwäsche gebraucht. Dr. Tschaplinski lotste uns dann durch Sambir, denn jedes Mal hatten wir in Sambir das Problem, den richtigen Weg nach Lviv zu finden. Nach 19 Uhr erst kamen wir zuhause an!

Samstag, 14.04.2007
Etwas ausschlafen tat gut. Um 9.30 Uhr machten wir uns auf den Weg in die Stadt, um verschiedene Besorgungen zu erledigen. Auf dem Nachhauseweg besuchten wir das große Treffen aller Berufsschulen der Stadt. Die Modeschule war gut vertreten, und auf einer der Fotowände fanden wir auch ein Bild aus der Arbeit unseres Vereins. Natürlich trafen wir auch die gesamte Direktion! Für Nachmittag hatten wir „Cafe Salak“ geplant. Frau Kalynec hatte uns am Donnerstag ihren sagenhaften Mohnkuchen eingepackt und der musste vernichtet werden. Das „Cafe Salak“ war ein großer Erfolg, viele Besucher fanden den Weg zu uns und es gab viele gute Gespräche. Ich bewundere immer wieder die Energie von M.Salak, wie sie so hin und her übersetzt. Am Abend machten wir einen längeren Spaziergang und bestellten für Sonntag einen Tisch in unserem Stammlokal. Wir hatten Frau Inna Kondraschowa zu einem Abschiedsessen eingeladen.

Sonntag, 15.04.2007
M.Salak und ich besuchten wieder den Gottesdienst in der Dominikanerkirche. Eine Erholung für unsere Seelen. Wir mussten den Gottesdienst etwas früher verlassen, da wir auf dem Blumenmarkt noch einen Dankeschönstrauß für Ina Kondraschowa besorgen wollten. Sie hat jahrelang die Paket-verteilung in Lviv erledigt. Ihre neue Aufgabe als Großmutter lässt ihr für diese Arbeit keine Zeit mehr. Sie war überrascht und sehr erfreut über diese Aufmerksamkeit. Sie folgte uns gerne ins Ca-fe Salak, das auch an diesem Nachmittag offen hatte und viele Besucher begrüßen konnte.

Montag, 16.04.2007
Abreise war auf 13.30 Uhr festgelegt. Vormittags zum Markt und noch einige Einkäufe erledigt. Zuhause begann die große Packaktion. Wir traten die Rückreise pünktlich an. Sie verlief ohne Probleme und größere Kontrollen. Kleinere Boxenstopps und diverses Tanken brachten unsere Lebensgeister wieder auf Vordermann. Ich durfte eine Stunde vor Morgengrauen ans Steuer und fuhr in den Son-nenaufgang hinein. Hier in Deutschland war der Frühling voll ausgebrochen. Die Bäume waren bei der Abreise noch kahl, jetzt blühten die Kirschbäume und die Wälder waren grün! Ein ausgezeichnetes Frühstück in einer Raststätte brachte alle Energien zurück und gegen 8.00 Uhr fuhren glücklich und dankbar in München ein.

Diese Reise war für uns, obwohl alles in normalen Bahnen verlief, sehr anstrengend.
Aufgefallen ist mir in Lviv, dass viele der alten Marschrutschkas (private Minibusse) ausgewechselt worden waren und diese Privatflotte auf mich zuverlässiger wirkte als im vergangenen Herbst. Auffallend auch die rege Bautätigkeit. Bei vielen der am Wegrand stehenden Häuser (ich habe sie immer als Bauruinen empfunden) waren bauliche Fortschritte zu sehen. Die positive wirtschaftliche Ent-wicklung war besonders in der Stadt zu sehen. Auf dem Land selbst schaut es aber zappenduster aus. Hier sehen wir sehr deutlich, dass unsere Hilfe weiter gebraucht wird.
Wir vom Verein stellen fest, dass unsere Kräfte nachlassen. Wir haben außer unserem guten Willen und der Bereitschaft uns einzusetzen keine jüngeren Helfer. Die Spenden sind etwas rückläufig trotzdem noch ermutigend. So werden wir in den kommenden Monaten sehr genau die weitere Ent-wicklung beobachten und über die Problematik nachdenken.
Ich bitte die Leser meines Berichtes, dass sie uns weiter wohl gesonnen bleiben und, dass sie ande-ren von unserer Arbeit und unseren Bemühungen zu helfen, weiter erzählen und so gleichzeitig für unsere Arbeit werben.
Wir suchen nach wie vor einen Raum zur Unterbringung von Spenden. Wenn Sie etwas wissen oder im Gespräch erfahren, bitte benachrichtigen Sie uns. Das würde unsere Arbeit erheblich erleichtern.

Brigitte Hovland, Mai 2007