2008 Mai
UKRAINE
12.05. – 19.05.2008
Bei der ersten Fahrt 2008 in die Ukraine sind wir von unseren Grundsätzen abgewichen. Gewöhnlich begleiten nach Beendigung einer Spendenaktion einige Mitglieder des Vereins den LKW, sozusagen als Eskorte, um beim Entladen dabei zu sein. Grund dieser Änderung war eine Einladung von Dr. Lozynskyi (Protokloge) zum 2. Stomapatientenkongress in Lviv, der Mitte Mai stattfinden sollte. Da unser Ver-ein jährlich ca. 1 t Hilfsmittel, von der ILCO Deutschland zur Verfügung gestellt, für Stomapatienten in Lviv und Umgebung transportiert, wollte Peter Malter diese Einladung annehmen und, um diese anstrengende Reise nicht zweimal antreten zu müssen, verschoben wir unseren Termin um 4 Wochen. So fuhr der LKW Mitte April los und wurde von den tüchtigen ehreamtlichen Mitarbeitern in Chodo-riv empfangen und im Beisein des Zolls entladen.
Pfingstmontag 12.05.08 gegen 12.30 Uhr starteten wir bei P. Malter in Aubing, gegen 13.00 Uhr stieg Maria Salak in Ramersdorf zu. Arnold Nowak und P. Malter verstauten das Gepäck, ein letztes Winken zu Marias Mann, ein gemeinsames „Behüte uns Gott“ und schon waren wir auf dem Mittleren Ring. Kaum Verkehr – und so war es die ganze Fahrt über. A. Nowak saß bis Oberfranken hinter dem Steuer, ich bis ein gutes Stück hinter Breslau. Dann übernahm P. Malter. Nächster Wechsel bei Kra-kau an unserer „Stammkneipe“. Ab hier fuhr A.Nowak. Um 5.30 Uhr deutscher Zeit, 6.30 Uhr ukrai-nischer Zeit standen wir an der Grenze.
Dienstag, 13.05.08
Wie üblich waren wir auf die Grenze gespannt. Wir haben Europäische Grenzen, auch die Ukraine ist inzwischen ein demokratisches Land und trotzdem habe ich persönlich immer ein komisches Gefühl. Ich war früher einige Male in der DDR und hatte bei Grenzüberschreitungen einen besonderen Ma-gendruck. Obwohl die letzten Fahrten ohne Schwierigkeiten verlaufen waren, hatte ich ein flaues Gefühl im Magen. Diesmal eine neue Variante des Eintritts: Beamter kommt aus seinem Häuschen mit Zettel in der Hand, schreibt die Autonummer und unsere Namen auf diesen Zettel. Stempel – weiter. Wie üblich mussten wir aussteigen und uns vor einem Schalterhäuschen zur Gesichtskontrolle auf-stellen. Zuerst wurde festgestellt, dass wir falsche „Laufzettel“ hatten. Aber hier war die Beamtin noch gnädig, da auf diesen die gleichen Daten standen, nur in einem anderen Format. Zum ersten Mal seit ich mitfahre, wurde die grüne Versicherungskarte verlangt! Der Führerschein und die Wagenpa-piere: „Wo ist die Bestätigung, dass P. Malter berechtigt ist, diesen Bus zu fahren“! Uns fiel der Un-terkiefer herunter, das gab es noch nie! Argumente hin und her! Unfreundlich, unausgeschlafen und unfähig einen Computer zu bedienen! Obwohl sie meinen Namen im Pass lesen konnte wollte sie wissen wie dieser ausgesprochen wurde. Da die Dame mit meiner Aussprache nicht zufrieden war, erklärte ihr M.Salak meinen Namen. Endlich hatten wir unsere Pässe und die dazugehörigen „Laufzettel“ wie-der. Zu allem Unglück musste ich dann einem mehr als dringenden Bedürfnis nachgehen. A. Nowak fuhr zum Zoll, um zum einen auf den Beamten zu warten, zum anderen auf mich! Bei meiner Rückkehr betretene Gesichter, eine sehr blasse M. Salak Was war geschehen? Eine dicke Beamtin kam ange-rauscht und brüllte M. Salak an: „Swap, Swap!“ Sie fragte was das bedeute, bekam nur einen Finger-zeig auf das kleine Zöllnerhaus mit der Aufforderung „Swap“ ihr zu folgen. Die Beamtin verlangte den Laufzettel, der inzwischen schon den 2. Stempel aufwies, trug uns in den Computer ein und stem-pelte zum 3. x. Ohne diesen 3. Stempel wären wir nicht an der letzten Kontrolle vorbeigekommen. Aber hätte das nicht in einem freundlicheren Ton geschehen können, wir sind ja nicht mehr in kom-munistischen Zeiten, in denen Angst und Schrecken verbreitet wurde. Freundliche Höflichkeit würde den Beamten gut anstehen. Wir waren so perplex, dass wir ganz vergaßen uns die Namen und Dienst-nummern für eine Beschwerde aufzuschreiben. Was wir aber beim nächsten Anlass tun werden. Als diese Hürde geschafft war, wurde uns am „Eingang“ ins Land der 3x gestempelte und mit unseren Namen und Autonummer versehene Zettel abgenommen und wir durften fahren. Einzig die aufgehen-de Sonne konnte uns aufmuntern. Kleinere Nebelfelder schwebten über den Wiesen und A.Nowak versuchte die Schlaglöcher zu umgehen und ich war inzwischen so müde, dass ich wegnippelte und erst kurz vor Lviv zu mir kam. Froh waren wir, dass der Morgenverkehr noch nicht eingesetzt hatte. Als wir gegen 8.00 Uhr ukrainischer Zeit in der Kopernikastraße in Lviv, aus dem Bus stiegen, zeigte der Tageszähler 1.325 km. Wir waren müde und dankbar, dass die Fahrt gut verlaufen war und auch, dass Frau Halla, die Verwalterin der Wohnung, schon mit den Schlüsseln für uns vor der Wohnung wartete. Zimmer beziehen, auspacken, frisch machen, ordentliches Frühstück und dann waren M.Salak und ich unterwegs in die Stadt, Geld tauschen, kleinere Besorgnisse und dann zuhause eine Stunde ausruhen. Zeit blieb uns auch noch, um die bei der letzten Spendenaktion gespendeten Süßigkeiten für das Straßenkinderheim, dessen Besuch auf dem Nachmittagsprogramm stand, zu sortieren und zu verpacken. Hier muss ich sagen, dass bei uns ziemlicher Ärger aufkam. Wir freuen uns über Süßigkeitsspenden, wenn aber das Haltbarkeitsdatum schon weit über ein Jahr abgelaufen ist, empfinden wir das als eine Zumutung. Blutenden Herzens mussten wir viele, wirklich gute Markenartikel in den Müll werfen.
M. Salak hatte schon in München verschiedene Treffen arrangiert. So begrüßte uns kurz nach 13 Uhr im Kinderkrankenhaus der Geschäftsführer von „Welt des Kindes“ Herr Wsewolod Lopuschansky. In seinem Büro herrschte geordnetes Chaos. Er befand sich mitten in den Vorbereitungen für einen groß angelegten Spendenaufruf zugunsten des Vereins „Welt des Kindes“. Er informierte uns, dass der neue Heimleiter des Erholungsheimes die Kosten für ein Kind noch nicht ganz kalkuliert hat. Dafür aber hat er ein gutes und preiswertes Omnibusunternehmen gefunden, das die Kinder bringt und holt. Froh war er über die Summe von Münchner Spendern die P. Malter ihm überreichte. So können vom 04.08. – 22.08.08 dieses Jahr 30 Kinder statt 20 zur ärztlich überwachten Erholung in die Karpaten fahren.
Von Dr. Wosnyzja wurden wir auch herzlich begrüßt und gleich durch seine Abteilung geführt. Zwei renovierte und neu eingerichtete Behandlungszimmer wurden stolz vorgeführt. Einige Büroschränke aus dem Frühjahrssondertransport 2007 waren hier „installiert“! Seine vier Empfangsdamen saßen auf „neuen“ Stühlen hinter den „neuen“ Schreibtischen, ebenso die Stationsschwestern und seine Sekretärin. So waren wir froh, dass diese Spende soviel Anklang gefunden und, dass sie wirklich ge-braucht wurde.
Nächste Station: das Straßenkinderheim. Frau Olga Bilous freute sich über die zwei großen Tüten mit Süßigkeiten für ihre Kinder, ebenso dankbar war sie über einige Flaschen Speiseöl, die M.Salak günstig in München besorgt hatte. Die Preise für Speiseöl sind in der Ukraine unverhältnismäßig stark gestiegen und bringen das Budget durcheinander. Zur Erinnerung: hier im Haus wird für 60 – 80 Straßenkinder gekocht und jeden Mittag an zwei Stellen der Stadt ausgegeben.
Beim Kontrollieren der Paketlisten, berichtete sie uns, dass einige Pakete und Briefe nicht abgeholt worden sind, da unter angegebener Adresse und Tel.-Nr. niemand zu erreichen war. P.Malter wird die Angelegenheit mit den Spenderfamilien klären. Außerdem hat sich der sanitäre Kontrolldienst der Stadt beschwert, dass die nicht abgeholten Pakete im Vorraum eines Waschraumes gelagert werden. P.Malter wird bei unserem nächsten Besuch die Listen erneut prüfen und evtl. die Versorgung von Familien einstellen. Frau Bilous bekommt für die laufende Arbeit eine Geldspende.
Letzte Station ein Besuch bei Frau Dr. Iwasjuk, in der Universitätsklinik, Neurologische Abteilung. Freudestrahlend zeigte sie uns die alten Nachtkästchen die im Gang gestapelt auf Abholung warteten. Sie öffnete die Türen zu den Patientenzimmern und wir sahen die „neuen“ Nachtkästchen aus dem Klinikum Bogenhausen. So war dieser Sondertransport im Dezember auch nicht umsonst. Was die alten Wracks betrifft werden diese, trotz des elendigen Aussehens, lt. Dr.Iwasjuk, noch weitere Verwendung in einem Dorfkrankenhaus finden. Im Gang drei große Kartons mit unseren Elastikbinden aus dem letzten Transport. Diese wird Dr. Iwasjuk durch Putzfrauen aufrollen lassen. In einer ande-ren Ecke Rollstühle und Gehhilfen aus dem Heilig-Geist-Altersheim am Dom-Pedro-Platz. Einige davon müssen repariert werden. Meine Frage, ob es für die Klinik einen Hausmeister gibt, der die Reparatu-ren durchführen könnte, konnte nicht beantwortet werden. Im Geist sah ich mich schon eine Truppe für die Reparaturen zu organisieren. In Deutschland wäre das kein Problem, da habe ich meine „schnelle Rentnertruppe“ zur Hand.
Beim Gang zu den Studentenzimmern fiel mir auf, dass das, im letzten Jahr neu verlegte Linoleum schon wieder große Löcher aufweist. Im Studentenzimmer zeigte uns Dr. Iwasjuk „neue“ Lehrmateri-alien und viele medizinische Hilfsgüter. Letztere haben wir von einer Münchner Spedition angeboten bekommen, weil sie vom Empfänger nicht abgeholt wurden. Sehr stolz wurden wir auch in den Raum des Physiotherapeuten geführt der bei laufendem Betrieb renoviert wird. Als Raumteiler fungieren die duftigen Vorhänge vom Münchner Klinikum Bogenhausen. Mit dem Gefühl, dass es hier wieder einen kleinen Schritt vorwärts gegangen ist, verabschieden wir uns von Dr. Iwasjuk.
Mit diesem Besuch war unser Tagespensum beendet. P. Malter fuhr uns durch dichtes Verkehrsge-wühl zu Freunden, bei denen wir unseren Bus im verschlossenen Hof parken durften. Hier konnte ich zu ihm von ganzem Herzen sagen: „Peter, Du bist ein Held!“ Der Verkehr in der Stadt ist, schon allein wegen der schlechten Straßen, schwierig, aber manchmal meine ich es herrscht des Recht des Stär-keren. Ein Autofahrer bewarf uns mit einem Stein, weil wir ihn – er stand mit seinem Auto hinter der Tram, nicht vorließen. Dies war technisch nicht möglich. Später drängte er sich auf sehr rüde Art vor. Unglaublich! Die Tram Nr. 2 brachte uns in die Kopernikastraße und von hier aus zu Fuß in die Stadt zu „Frau Steffa“ zum Essen. Hier fiel alle Anspannung von uns ab. Die Müdigkeit zog uns bald ins Bett, zumal für den kommenden Tag die Fahrt nach Turka auf dem Programm stand.
Mittwoch: 14.05.08
Kurz vor 6 Uhr allgemeines Wecken, Frühstück, mit der Tram zu unserem Abstellplatz. In der Tram viele Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Die Tram ist teurer geworden und, aus gegebenem Anlass ist ein neues System der Entwertung eingeführt worden. 7.30 Uhr saßen wir im Bus. P.Malter brachte uns sicher durch den morgendlichen Berufsverkehr zur Ausfallstraße Richtung Sambir. Beim Hinaus-fahren fielen mir die vielen verwilderten Vorgärten auf. Lviv ist eine grüne Stadt. Der Regen der vergangenen Tage hat Wunder gewirkt. Explosionsartig war auch hier der Frühling eingekehrt. Auf den Feldern waren die Menschen beschäftigt anzupflanzen, um den Wintervorrat zu sichern. Kartof-felgrün spitzte raus, manche Getreidefelder waren schon weit, ab und zu sahen wir ein Storchennest und die dazugehörigen Störche auf den Nasswiesen und so manchen Bauern sahen wir hinter dem Pflug hergehen. Für mich persönlich ein schönes Bild, und aufgrund der öffentlichen Debatte über die Welternährungslage, kamen mir bei den brachliegenden Feldern der ehemaligen Kornkammer so man-che Gedanken über gute Investierungspläne, so ich denn Geld genug hätte.
Wie immer ist die Strecke nach Turka interessant, besonders je näher wir den Karpaten kamen. In Sambir war man dabei die Straße zu reparieren. Tiefe Schlaglöcher waren vom Dreck befreit. Loch an Loch, es war die reinste Achterbahn. Für den Fahrer ein Hindernisparcour. In Turka fiel uns als erstes auf, dass der Schlagbaum samt dem Unterstandhäuschen nicht mehr existierte. Dafür nahm uns die Polizei auf der großen Kreuzung zur Kontrolle in Empfang. Der Beamte war nicht besonders freundlich, erst als M. Salak sagte, dass wir bei einigen öffentlichen Stellen erwartet würden, durf-ten wir weiterfahren. Miroslawa Kalynytsch erwartete uns vor dem Waisenhaus. Im Schulhof saß unsere alte Waschfrau und bewachte die gewaschene und über die Spiel- und Sportgeräte zum tro-cken aufgehängte Bettwäsche. Im Haus große Aufregung, es war Prüfungstag. Am 1. Juni beginnen im ganzen Land die Ferien. M.Kalynytsch erzählte uns von einer unausrottbaren Unsitte: Die Lehrer werden, sozusagen zur Beeinflussung der Noten, nach den Prüfungen bewirtet. Deshalb die Hektik im ganzen Haus. Feuchter Geruch schlug uns entgegen, die Putzfrauen waren schwer beschäftigt die Flure und Toiletten nass zu halten.
Frau Direktor konnte sich loseisen und wir begaben uns in die Küche. Der neue große Elektroherd aus der Jugendherberge in München war schon in die Küche gehievt worden und wartete nur noch auf ein ordentliches Untergestell und den Stromanschluss. Frau Direktor erzählte uns, dass der Elektriker für den Anschluss 8.000 Hrivny – ca. 1.000 Euro - verlangen würde. P.Malter prüfte alles und war der Meinung, dass eine größere Sicherung am bestehenden Anschluss ausreichend sei und keinesfalls so teuer sein kann. P.Malter wird sich in München informieren.
In Turka tagte der Kreisrat und M.Kalynytsch meinte, dass es klug wäre unseren Verein diesem Gre-mium vorzustellen. Den Kreisrat bilden alle Bürgermeister der in der Region Turka vorhandenen Ort-schaften. Hier werden regelmäßig auftretende Probleme besprochen und nach Lösungen gesucht. Als wir im Saal erschienen, wurde gerade über rechtliche Probleme bei Erbschaften gesprochen, beson-ders über die Unart verschiedener Advokaten utopische Summen von armen Menschen zu verlangen. Es wird eine Vorschrift erarbeitet die dies unterbinden wird. Der Vorsitzende stellte uns vor und P. Malter begrüßte die Anwesenden, gab einen kurzen Abriss über unsere Arbeit, lobte besonders die gute Zusammenarbeit mit M. Kalynytsch und ihren unermüdlichen Einsatz mit vielen ehrenamtlichen Helfern.
Im Büro der Abteilung „auffällige Jugendliche“ wurde uns Kaffee und Kuchen angeboten, um die Wartezeit auf eine Vervielfältigung der CD für Albert Denk zu warten. Auf ihr war die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ die von A. Denk in Menkhofen durchgeführt worden war dokumen-tiert.
Die Leiterin dieser Abteilung bat uns um Hörgeräte für 10 besonders auffällige und sehr schwerhöri-ge Jugendliche. Sie meint, dass besseres Hören einen Teil der Aggressivität abbauen könnte. Es gibt 14.000 Kinder und Jugendliche im Kreis Turka.
Anschließend fuhren wir zum Krankenhaus. Wir trafen dort einen Chirurgen, der sich für die Betten und Nachtkästchen überschwänglich bedankte. Er bat uns mit in die Chirurgie zu fahren, um dort einen „Badelifter“ zu begutachten der schon lange Zeit unbenutzt steht. Er kann nicht benutzt wer-den, da evtl. der Motor fehlt. P.Malter fotografierte die Marke und wird in München klären, ob an dem Gerät evtl. nur Spezialbatterien fehlen. Die notwendigen AKKU´s konnten in der Zwischenzeit im Altenheim, woher der Badelifter stammt, besorgt werden. In einem neu eingerichteten Raum sind zwei funktionale Beatmungsgeräte und unsere Betten. Der Arzt möchte in einem Nebenhaus eine neue Waschküche einrichten. Er zeigte uns die Räumlichkeiten. Eine große, stark verrostete Indust-riewaschmaschine ist noch in Gebrauch, eine Wäscheschleuder, groß wie ein Waschkessel in der Waschküche meiner Mutter, ein vorsintflutlicher Apparat zum desinfizieren der Matratzen. Uns wurde vor einem Jahr in Heilig-Geist-Altersheim eine fast neuwertige Industriemaschine angeboten. Wir konnten sie damals nicht abmontieren, da das unsere Kräftekapazitäten überschritt. Heute tat es uns leid, denn sie wurde beim Abriss der Gebäude mit vernichtet und sie hätte hier gute Dienste geleistet. Wir stellen insgesamt fest, dass sich das chirurgische Krankenhaus langsam zu einem pro-peren Krankenhaus mausert.
Vor dem Waschgebäude zeigte uns M. Kalynytsch in der Nachbarschaft einen Rohbau. Der wurde ihr zur Unterbringung der Hilfslieferungen von der Stadt angeboten. Sie sollte ihn auf eigene Kosten fertig stellen! Nach kurzer Überlegung, ob hier evtl. ein Zuschuss aus unseren Spendengeldern gegeben werden könnte, stellten wir fest, dass das Gebäude zu weit außerhalb der Stadt liegt. Es könnte dort jederzeit eingebrochen werden, zum anderen ist es unsicher, ob die Stadt das fertig gestellte Bauwerk nicht „enteignen“ würde. Es muss eine andere Lösung gefunden werden. Nachdem P.Malter und M.Salak die finanzielle Angelegenheit mit Frau Kalynytsch erledigt hatten, verabschiedeten wir uns.
Am Stadtrand von Sambir erwartet uns schon Dr. Tschaplynskyj, Leiter der Unfallchirurgie! Auch er war begeistert von den neuen Betten und Nachtkästchen. Er hat an verschiedene Kollegen Einrichtungsgegenstände und medizinisches Zubehör, das er nicht brauchte, weitergegeben. Auf seinen dringenden Wunsch nach einem Schengener Visum mussten wir ihm abschlägigen Bescheid geben. Das ist von unserer Seite aus nicht zu leisten. Wir wurden von ihm in einem kleinen Lokal mit gutem Essen aus der Region verwöhnt, dabei fachsimpelten wir über die so wenig ausgebildeten sozialen Fähigkei-ten und wie hier Abhilfe geschaffen werden könnte, denn daran krankt vieles.
Nach 17 Uhr waren wir wieder in Lviv und nach der langen Sitzerei im Bus, war ein kurzer Fußmarsch in die Stadt ein guter Ausgleich.
Donnerstag, 15.05.2008
Auch heute Sonnenschein, das Aufstehen fiel leicht! 8.00 Uhr Treffpunkt am Bus. Heute hatten wir ein großes Programm vor uns. Chodoriv, Zydatschiw, Schurawno und Protesy – vor dem Krieg hieß das Dorf Protessen.
Ich beobachtete die vielen Straßenkehrer die damit beschäftigt waren ihre Abschnitte zu reinigen. Auf der Ausfallstraße reger Verkehr, große Bautätigkeit am Stadtrand. Hier entstehen hübsche klei-ne Siedlungen. A. Nowak ist heute unser Chauffeur und fährt flott. Auch hier an der Autobahn ent-lang gepflügte Äcker, mal größer, mal kleiner als Gärten für die Winterversorgung. Die Lebensmittel-preise sind allgemein gestiegen und macht den Armen zu schaffen. Auch hier klafft die Schere zwi-schen Arm und Reich immer weiter auseinander. Mir fiel das besonders in der Stadt auf, als wir in einem Straßencafe saßen. Neben uns in einem Nobellokal, das gerade IN war, aufgetakelte Frauen die ihren Reichtum fast provozierend zur Schau stellten.
Der Autobahnbau schreitet fort – soll zur Fußballeuropameisterschaft 2012 fertig sein. Fast hatten wir uns an das schüttelfreie Fahren gewöhnt, als die Abzweigung nach Chorodiv kam. Hier nahmen die Schlaglöcher zu, aber die wunderschöne Landschaft versöhnte uns mit der schlechten Straße. Wir waren gegen 9.00 Uhr in Chodoriv. Fröhlich wurden wir von Maria Kalynec und ihren ehrenamtlichen Helferinnen begrüßt. Es folgte der übliche Ablauf: Bericht über die letzten Transporte, Sichtung der Transport- und Adresslisten, Notfälle, Kassenprüfung, Gedankenaustausch.
M.Salak informierte, dass eine Familie aus München die Hilfe für eine Familie einstellen will, weil seit Monaten kein Schreiben angekommen ist. Es wurde festgestellt, dass die Frau schon seit 9 Monaten mit Multiple Sklerose im Krankenhaus liegt. Hier ist es so, dass diese Frau die Enkelkinder versorgte, weil deren Mutter im Gefängnis saß. Inzwischen ist die Mutter entlassen, versorgt ihre Kinder ist aber weiter auf Hilfe angewiesen.
Ein besonderer Notfall kommt persönlich und trägt uns ihre Bitte vor. Eine alte, fast blinde und tau-be Frau die lange Jahre in Sibirien verbringen musste. Sie versorgt die behinderte Enkeltochter. Sie hatte eine graue Staroperation, die den Ärzten leider nicht gelungen ist. Sie musste trotzdem zahlen. Jetzt steht die 2. Operation an. Die Ärzte verlangen 1.000 $. M. Salak wird die Unterlagen Dr. Iwas-juk übergeben, da die OP in der Uniklinik stattfindet. Sie soll überprüfen warum eine so horrende Summe von einem Menschen verlangt wird der nichts hat. In der Kirchengemeinde wurde schon für die Operation gesammelt. P.Malter übergab M.Kalynec eine größere Summe für die OP und der Ver-sorgung der Enkeltochter während dieser Zeit.
M.Salak übergab M.Kalynec einen großen Karton mit alten Brillen und 8 gebrauchte Hörgeräte. Die Hörgeräte sollen nach Turka weitergeleitet werden. Nach dem sachlichen Teil wurden wir mit Chodo-river Köstlichkeiten bewirtet. Anschließend fuhren wir ins Krankenhaus, da auch hierher Betten und Nachtkästchen geliefert wurden. Für mich war es der erste Besuch in diesem Krankenhaus. Ich war gespannt, denn aus den Erzählungen von M.Salak wusste ich, dass das Krankenhaus durch die Ukraine Aktivhilfe in den vergangenen Jahren gut ausgestattet worden war und dadurch von einer Schließung bewahrt wurde. Das Krankenhaus besteht aus mehreren Gebäuden am Stadtrand, inmitten eines Kie-ferwäldchens. Ohrenbetäubender Gesang aus einer Krähenkolonie empfing uns. Mir lief es etwas kalt den Rücken runter. Die armen Patienten, die diesem Lärm den ganzen Tag ausgeliefert sind. Seit „Menschengedenken“ haben die Krähen ihren Wohnsitz hier und der mehrmalige Versuch diese Kolo-nie auszurotten ist immer fehlgeschlagen.
Wir wurden schon erwartet, freundlich begrüßt und durch eines der vielen Gebäude geführt. Der sonnendurchflutete OP war nach einem Kaiserschnitt gerade wieder in sterilen Zustand versetzt worden. Die Mutter lag im Zimmer und kam langsam zu sich, das Baby erholte sich im Babyzimmer von den Strapazen in diese Welt überzuwechseln. In einem Stockwerk war man gerade dabei den alten Parkettboden abzuschleifen und zu versiegeln. Das Ergebnis hat sich sehen lassen können. Da die Krankenzimmer über keine Waschbecken verfügen, wurde ein Bad im Haus renoviert, um den Patien-ten die Möglichkeit einer ungenierten Körperpflege zu geben. Auch hier waren unsere Betten und Nachtkästchen in Gebrauch und die Dankbarkeit war groß. Es war überall peinlich sauber und ich spürte den Versuch, dem Patienten den Krankenhausaufenthalt mit den gegebenen Mitteln so „gemüt-lich“ wie nur möglich zu machen. Unter dem großen Rabengekrächze verabschiedeten wir uns, um das Krankenhaus in Zydatschiw zu besuchen. Diese Stadt liegt nur 15 km von Chodoriv entfernt. Der Be-such dieses Krankenhauses stand schon seit Oktober auf unserer Liste, denn auch in dieses Kranken-haus haben wir Betten bringen lassen. Der Chefarzt meinte recht schlau zu sein und nutzte diese Aktion politisch indem er in der Tageszeitung schreiben ließ, dass er mit unserem Verein einen Ver-trag auf weitere Lieferungen abgeschlossen hat und er hat sich bis heute noch nicht für diese Hilfe bedankt. Wir wollten dies nicht ganz Unwidersprochen lassen. M.Salak bekam im Frühjahr einen Brief des besagten Chefarztes mit weiteren Bitten um Hilfe. M.Kalynec hatte uns angemeldet. Auf dem Parkplatz des Hauses wurden wir von der Stellvertretung begrüßt. Der Chefarzt nicht auffindbar. Durch einen Hinweis entdeckten wir ihn hinter Büschen im Vorgarten des Krankenhauses. Er schlen-derte heran und fragte so ungefähr, was wir denn wollten. M.Salak zeigte ihm seinen Bittbrief, er wollte sein Anliegen auf dem Parkplatz abhandeln. Als M.Salak den Zeitungsartikel vorwies wurde die stellvertretende Ärztin sehr energisch und bat uns in ihr Sprechzimmer. Hier ging es hin und her mit dem Ergebnis, dass bei so einem Benehmen wir auf weitere Zusammenarbeit verzichten. Etwas frust-riert verließen wir die Klinik und machten uns auf den Weg ins TBC-Kinderheim in Schurawno, das ca. 40 km südöstlich liegt. Obwohl angemeldet musste auch hier der Direktor gesucht werden. Wir be-grüßten in der Zwischenzeit einige Kinder die vor dem Haus Blumenbeete anlegten. Andere Kinder stellten sich in Zweierreihen auf, um zum Mittagsschlaf zu gehen. Der Direktor und der Vizedirektor kamen zur Begrüßung und wir gingen mit den Kindern hinüber ins Schlafhaus. Ich berichtete in mei-nem Bericht Herbst 2006, dass das Haus soweit fertig gestellt worden war, aber es fehlte Geld zur Installation der Elektrik. Inzwischen ist auch dieses Problem, durch einen staatlichen Zuschuss ge-löst und die Kinder zeigten uns stolz ihre Zimmer. Das Haus ist hell und luftig. Bis zu 6 Betten in den Zimmern nur das nötigste: Bett und Nachttisch. Auf den meisten Betten sahen wir verschiedene Ku-scheltiere die aus unseren Spenden stammten. Schränke wären kein extra Luxus.
Nachdem der Konrektor erzählte, dass der Staat relativ viel Geld für die Wiederaufbaumaßnahmen des Schlosses zahlt, waren wir natürlich neugierig, wie weit die Renovierungen vorangekommen waren. Das Dach war eindeckt und im Inneren geht es langsam voran. Obwohl wir etwas in Zeitdruck und wir darum gebeten hatten uns nicht zu bewirten, siegte die Gastfreundschaft. Als wir zurück kamen war im Rektorzimmer ein kleiner Imbiss für uns vorbereitet worden. Während einiger Trinksprüche er-fuhren wir, dass der Rektor, obwohl er noch lange nicht im Ruhestandsalter ist, aus gesundheitlichen Gründen in Ruhestand gehen wird. Da dieses Kinderheim seit vielen Jahren sozusagen in „Familienbe-sitz“ ist und nur von einem Arzt geleitet werden kann, hat der Direktor für die Nachfolge gesorgt, indem seine Schwiegertochter, Ärztin, seit ca. einem Jahr im Haus mitarbeitet. Das Haus als solches macht auf uns einen sehr guten Eindruck – sicherlich auch wegen des Konrektors, der uns mit seiner offenen, freundlichen Art gut gefällt. Er berichtete uns von einer Schwierigkeit für die Zukunft. Viele Kinder, die von der TBC geheilt sind und hier für 1 Jahr zur Nacherholung kommen, haben kein Zuhause mehr, d.h. entweder sind die Eltern gestorben oder aus anderen Gründen nicht mehr vor-handen. Man kann diese Kinder nicht einfach vor die Türe setzen. So wird das Konzept dieser Nach-erholung neu überdacht werden müssen. Unser Verein wird weiter mit Sachspenden das Haus ver-sorgen.
Unser nächster Weg führte uns in eine kleine Ortschaft Protesy, ca. 25 km von Schurawno entfernt. Zu diesem Ausflug berichtete uns P.Malter von der Bitte einer Dame, die ihn in München kontaktier-te. Ihr Vater ist in diesem Ort geboren und flüchtete 1945 nach Deutschland. Sie wollte wissen ob noch jemand von ihrer Verwandtschaft lebt. M.Kalynec hat im Bürgermeisteramt in Zydatschiw aus dem Geburtenregister einige Namen herausgesucht. Anhand einer sehr genauen Karte fanden wir diesen Ort. Es war eine Reise in eine andere Welt. Schotterwege, im Sonnenlicht liegende kleine Dör-fer, Hühner auf der Straße, sozusagen: „die Welt noch in Ordnung“. Nach einem dichten großen Bu-chenwald eine Lichtung mit dem Ortsschild „Protesy“. Ein langes Straßendorf mit gut erhaltenen alten Häusern, zwischendrin einige kleine Neubauten aber auch total in sich zusammengesunkene, verlassene Häuser. Nach diesem Ort endete übrigens die Straße! Für mich lag ein Sommerfrieden über allem. Menschen saßen in den Gärten oder arbeiteten fleißig. Wir suchten nach alten Menschen die uns evtl. über diese Familie noch Auskunft geben könnten. Die Alten mit denen wir sprachen kann-ten den Familiennamen nicht, empfahlen uns aber auf dem Friedhof nachzuschauen. Hinter einer al-ten, schönen Holzkirche der Friedhof. Hier nur neue Gräber, in Sichtweite der alte Friedhof. Leider gab es keine Verbindung dorthin und die Suche danach brachen wir, in Anbetracht der doch recht weit vorangeschrittenen Zeit ab, denn der Kongress, zu dem wir eingeladen waren, begann um 19 Uhr mit einem Essen.
Kurz vor 19 Uhr wurden wir von einem Taxi abgeholt das uns zum Tagungsort brachte.
Dr. Losynskyi begrüßte uns herzlich in der Hotelhalle und stellte uns einigen verantwortlichen Teil-nehmern vor. Eine ukrainische Ärztin, die die polnische Firma Colopast vertrat. Frau Gross von der dänischen Firma Coloplast, Frau Haas, Geschäftsführerin der ILCO Deutschland, die Grüße von Pro-fessor Englert mitbrachte. Dieser musste ganz kurzfristig die Teilname am Kongress absagen, da seine Frau erkrankt war. Frau Haas wurde von einem jungen Mann begleitet der für sie während des Kongresses dolmetschen sollte. Der Präsident der ILCO aus Moskau und der Vorsitzende des Ver-bandes für Stomapatienten von Lviv nahmen auch an diesem Abendessen teil.
Gegen 23 Uhr kamen wir rechtschaffen müde und doch etwas angeregt in unsere Wohnung zurück. Das Abendessen war gelungen und ich war neugierig auf den kommenden Tag.
Freitag, 16.05.2008
Der Kongress begann um 9.00 Uhr mit der Begrüßung durch Dr. Losynskyj. Es gab viele Reden, die mir von M. Salak Bruchstückweise übersetzt wurden. Sinn und Zweck des ganzen Kongresses war die Sammlung der Stomapatienten. Übernahme der Eigenverantwortung ihrer Rechte gegenüber dem Staat, der nicht für die Hilfsmittel zahlt. Außerdem soll Außenwirkung erzielt werden. Die an Darm-krebs erkrankten Menschen – es waren erstaunlich viele junge Menschen anwesend – müssen diese Krankheit und die damit verbundenen Probleme öffentlich machen. Die Menschen müssen lernen ihr Recht auf Hilfe zu formulieren und dem Staat gegenüber durchzusetzen. Allein in Lviv und Umgebung gibt es 1060 Menschen mit künstlichem Darmausgang.
Dass von öffentlicher Seite kein Interesse besteht wurde deutlich, weil niemand vom Stadtrat oder der Regierung anwesend war. Eine Dame aus Kiew stellte fest, dass die Ukraine der einzige Staat ist, der seinen Stomapatienten nicht hilft, sie sozusagen ignoriert. Ihre ganze Hoffnung liegt auf dem Ausland. Es sollte eine Petition mit verschiedenen Forderungen an die Regierung gestellt werden:
Ausbildung für Personal, das den Patienten anfangs hilft mit den ungewohnten Hilfsmitteln umzuge-hen. Mehr Öffentlichkeitsarbeit für diese Krankheit in Fernsehen und Presse.
Frau Haas überbrachte Grüße von der ILCO Deutschland, ebenso Grüße des Internationalen Verban-des und dessen Vorsitzenden Arne Holte aus Norwegen. Sie erläuterte, dass die Arbeit der ILCO im Ehrenamt geschieht, dass die ILCO über unseren Verein, die Ukraine Aktivhilfe, jährlich ca. 1 t Hilfsmaterial für Stomapatienten nach Lviv bringt.
P.Malter sprach ein Grußwort in ukrainischer Sprache in dem er die Hoffnung zum Ausdruck brachte, dass der Ukrainische Staat sich bald der Probleme der Stomapatienten annehmen soll.
Der Präsident der ILCO aus Moskau berichtete, dass in Russland alle Stomapatienten ihre Hilfsmit-tel kostenlos vom Staat bekommen, dass es ein Informationsnetz für diese Menschen gibt.
In einer Pressekonferenz, die in der Mittagspause abgehalten wurde, konnte anhand der von den Journalisten gestellten Fragen festgestellt werden, dass hier keinerlei Informationen über Krank-heit und deren Auswirkung vorhanden waren. Die Frage einer Journalistin an P.Malter, was uns dieses Ehrenamt den bringt, nutzte P.Malter, um den Journalisten klar zu machen, was Ehrenamt bedeutet und, dass es in einer Gesellschaft notwendig ist, dass es praktiziert wird, nicht um des Vorteils Wil-len, sondern ganz einfach um der Nächstenliebe willen, die ein tragfähiges Netz für soziale Sorgen und Nöte bildet.
Abschluss am Abend mit einem kleinen Stehimbiss. Im kleinen Kreis stellen wir fest, dass hier noch viel gelernt werden muss.
Samstag, 17.05.2008
Für die ausländischen Gäste des Kongresses wurde eine Stadtführung angeboten und für den Spät-nachmittag eine Privatführung durch die große Brauerei. Gegen 9.30 Uhr Treffpunkt vor der Oper. Eine junge Frau brachte uns in englischer Sprache ihre Stadt durch einen gut gelungenen Rundgang näher. Auf unsere Bitte hin brach sie die Führung nach guten 2 Stunden ab und nahm die Einladung in unser Stammcafe dankend an. Um 16 Uhr wurden wir in der Brauerei empfangen und wir waren wirk-lich fast erschlagen von den Eindrücken die auf uns einstürmten. Die anschließende Führung durch das Biermuseum schafften wir von unseren Kräften her fast nicht mehr. Aufgebaut wurden wir aber durch einen köstlichen Imbiss in den Kellergewölben im Anschluss. Ich kam mir fast wie im Löwen-bräukeller vor. Am Abend fielen wir alle todmüde in unsere Betten.
Sonntag, 18.05.2008
Abreise war auf 13 Uhr festgelegt, vorher die übliche Packerei.
Mit innerer Spannung fuhren wir auf die Grenze zu. Außer der gewohnten LKW-Schlange kein Auto-stau. M.Salak kontaktierte einen ukrainischen Grenzbeamten, um bei den polnischen Beamten vorzu-fühlen, ob wir Schlange stehen müssen oder ob wir schneller abgefertigt werden könnten, da wir humanitäre Papiere vorweisen können. Der ukrainische Beamte war unwahrscheinlich freundlich. Der polnische Beamte hörte sich die Frage nach einer „Sonderbehandlung“ an, gab M.Salak aber dann unmissverständlich zu verstehen, dass der humanitäre Einsatz in der Ukraine beendet sei und wir auf der Rückreise eine ganz normale Abfertigung über uns ergehen lassen dürfen. Das bedeutete 1 ½ Stunden in Sonne und Hitze zu stehen. Wie im Supermarkt vor der Kasse die Frage, welche Schlange nimmt man – steht man immer an der falschen Kasse. Auch hier, nur dass die Beamtin, die diese Schlange behandelte mehr als gründlich ihren Dienst versah! Sie war sehr eifrig und kritisierte die vielen Pralineschachteln – Geschenke an uns bei jedem Besuch. M.Salak fragte nur, ob wir sie denn hätten in den Müll werfen sollen! Wir mussten Koffer und Taschen öffnen. Als sie dann aber unge-fragt in P. Malters Aktentasche mit den Dokumenten griff wurde M. Salaks Ton etwas scharf und die Beamtin begriff, dass sie hier zu weit gegangen war. Als wir diese Hürde endlich geschafft hatten hielt uns nichts mehr auf. Dank des Sonntags kein LKW-Verkehr und wir kamen gut voran. Bei Tarnów in einem schönen Ausflugslokal gemütliches Kaffeetrinken- eine Einladung von A.Nowak. Gestärkt nahmen wir die nächste Etappe. Auf der Autobahn bei Krakau entlud sich das schon lange über uns stehende Gewitter. Gott sei Dank wurde kein Dauerregen daraus. Bei Dresden eine erneute, etwas längere Pause. Der Verkehr hatte nach der deutschen Grenze schlagartig zugenommen und die vielen Lkws zwangen uns zur größten Aufmerksamkeit. In Pentling mussten wir wegen großer Müdigkeit er-neut Pause machen. Kaffee, Kakao und Butterbrezeln brachten unsere Lebensgeister auf Vordermann. Vor München der übliche Kurzstau! Mit einem „Gott sei Dank“ fuhren wir um 8.10 Uhr in die Ayinger-straße.
Fazit dieser Reise: Ich hatte während dieser Woche interessante Begegnungen im Zusammenhang mit dem Kongress und stellte fest, dass junge Menschen die in Deutschland gearbeitet oder studiert haben mit sehr offenen Augen und Herzen unser Land sehen und Anregungen mit in die Heimat zu-rück nehmen.
Die Frage der Journalistin an P.Malter, welchen Gewinn wir von dem Ehrenamt haben, zeigt mir sehr deutlich, dass hier etwas verkümmerte, was unendlich wichtig für das Zusammenleben einer Gemein-schaft ist. Ich erinnere mich an die Diskussion mit Dr. Tschaplynskyj aus Sambir mit dem wir dieses Problem diskutierten. Wie schwierig es ist Menschen für etwas zu begeistern, was eigentlich selbst-verständlich sein sollte. Ich sprach dieses Problem von der christlichen Seite an. Die Menschen in der Ukraine sind sehr fromm und gehen zur Kirche. In der Bibel steht viel über Nächstenliebe und Hilfe für den anderen. Warum kann dies nicht umgesetzt werden? Ist die Kirche nur noch als Religion zu sehen die einem einen Platz im Himmel sichert? Dr. Tschaplynskyj sieht das ähnlich. Ich finde, dass hier eine große Möglichkeit der Institution Kirche liegt die Jugend für das was Jesus gepredigt und vorgelebt hat zu begeistern und in die Tat umzusetzen. Frau Haas von der ILCO Deutschland brachte dies in ihrem Grußwort auch sehr deutlich zum Ausdruck, dass ohne Ehrenamt eine soziale Arbeit nicht möglich ist. Es kommt also in der Ukraine auf die Jugend an sie für soziale und christli-che Werte zu begeistern, nur so wird sich in der Zukunft einiges grundlegend ändern.
In diesem Sinn habe ich von dieser Reise viele Impulse mitgebracht, die mein Engagement für diese Arbeit ankurbeln und auch Hoffnung haben lässt, dass sich doch – wenn auch sehr langsam – einiges ändern wird.
Bei jeder Reise stellen wir fest, dass die Termine sehr gerafft sind und wir relativ wenig Zeit haben die Kontakte mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern zu vertiefen, ebenso den Kontakt zu verschiede-nen Familien zu suchen, damit wir die eigentliche Basis unserer Arbeit nicht aus dem Auge verlieren. Ich sehe aber auch realistisch, dass unser Verein – ich bringe das in fast jedem Bericht – „Blutver-jüngung“ braucht. Für uns ist es in letzter Zeit einfacher gewesen die Logistik der größeren Spenden auf den Weg zu bringen, d.h. Sondertransporte die im weitesten Sinn auch den Armen der Armen helfen, wenn man bedenkt, dass es in der Ukraine keine Krankenversicherung wie hier in der BRD gibt.
Wir sind dabei Überlegungen zu diskutieren wie wir unsere Arbeit in einem etwas anderen Umfang weiterführen können, haben noch keine Lösung gefunden.
Nach 15 Jahren ehrenamtlicher Buchhaltung gibt Frau Haller dieses Amt ab und wir suchen dringend zum 01.01.2009 einen oder eine Nachfolger/in. Wer sich hier angesprochen fühlt, die Materie kennt und uns helfen will, melde sich bitte bei P. Malter: Tel. 089-8632651
Brigitte Hovland (im Juni 2008 )