2006 im Oktober
Humanitärer Einsatz in der Ukraine
vom 18.10. – 25.10.2006
Der Spendenaufruf für den Herbsthilfstransport in die Ukraine wurde gut angenommen.
Am Freitag, den 13. und Samstag 14.10.2006 fanden viele Spender den Weg in die Starnberger-Straße in Neuried. Um 18.00 Uhr war der LKW voll. Maria Salak und Peter Malter stellten am Wochenende die Ladelisten zusammen und der LKW konnte am Montagmittag Richtung Ukraine starten.
Mittwoch, 18.10.2006
Peter Malter, Maria Salak, Josef Rammelsberger, Arnold Nowack und ich starteten um 11.35 Uhr in der Hellensteinstraße.
Donnerstag, 19.10.2006

Gegen 8.30 Uhr trafen wir in Chodoriv ein, Maria Kalynec empfing uns mit einem Frühstück.
Der LKW Fahrer war schon am Mittwochabend in Chodoriv eingetroffen. Um 10 Uhr waren wir mit Vitali Rudyj, dem Zöllner aus Stryi verabredet. In einem militärischen Gelände am Rande der Stadt haben wir die Möglichkeit die Spenden zu lagern bis der Zoll sie freigibt. Hier wurden wir vom 2. Bürgermeister begrüßt. Eine kleine Schar von Helfern hatte sich eingefunden und kurz nach 12 Uhr war das Werk beendet. Die Helfer bekamen von Maria Salak ein, schon in München vorbereitetes Päckchen mit Süßigkeiten und Zigaretten, ausgehändigt. Maria Kalynec zahlte jedem 15 Hryvni, das sind etwa 2,50 Euro.

Nach einem Mittagessen in der Gaststätte von Bürgermeister Horatschek erledigten wir die administrativen Angelegenheiten mit Maria Kalynec. Alles war in Ordnung.
Gegen 17 Uhr waren wir in Lviv in unserem Quartier und ließen hier den Tag ausklingen.
Freitag, 20.10.2006
Ziel für heute: Turka. Abfahrt 7.30 Uhr. Ankunft gegen 10 Uhr. Frau Kalynytsch begrüßte uns am Grenzbaum. Erste Station: Waisenhaus.
Hier empfing ns ein Journalist der Tageszeitung, der über unseren Besuch und unsere Arbeit in der Zeitung berichten wollte. Er begleitete uns beim Gang durch das Haus, nahm einige Fotos von uns und Maria Salak gab ihm Einblick in unsere Arbeit. Neuerung: die Toiletten im Erdgeschoss waren neu gefliest und Waschbecken, Dusche und neue Toiletten installiert.
Nächste Station Küche und Speisesaal.
Im Spülraum auf einem Abtropfgestell tiefe und flache Teller gemischt, ziemlich angegriffen, bei uns in Deutschland würde niemand mehr von diesem Geschirr essen. Da nicht genügend davon vorhanden und auch der Speisesaal für 160 Kinder zu klein ist, wird in Schichten gegessen. Es mangelt an Besteck und viele Henkel der großen Teetassen sind abgefallen. Hier wäre eine Neuanschaffung nötig. Für ein Kind zahlt der Staat pro Tag ca. 0,90 Cent!
Maria Salak wollte die Schlafräume besichtigen. Der Rotari-Club von Lviv hat dem Haus 70 neue Betten gestiftet. Zusammen mit den rosefarbenen Bettüberwürfen, von einem Münchner Hotel gespendet, sah der Schlafraum sehr schön aus. In den anderen Schlafräumen baufällige Nachttischen und keinerlei persönliche Dinge.
Nach dem bestehenden Waschküchenproblem befragt, berichtete uns Frau Kalynytsch, dass die Waschmaschine inzwischen in einem zur Verfügung gestellten Raum angeschlossen, aber die alte Frau noch im Keller arbeiten würde!
Unser nächster Besuch führte uns in die Poliklinik. Hier wurden wir vom stellvertretenden Chefarzt erwartet und begrüßt. Er bedankte sich für die letzte Bettenlieferung und berichtete, dass einige der Krankenhausbetten nach Sambir in die Unfallchirurgie abgegeben wurden, denn die frisch operierten Patienten wurden dort auf Betten gelegt, die mit Klinkersteine unterstellt waren, da ihnen die Beine fehlten. Auch an das Kinderkrankenhaus wurden Betten abgegeben. Er bedankte sich überschwänglich und bat unsere Organisation um weitere Lieferung.
Nächste Station das Chirurgische Krankenhaus der Stadt Turka. Die gewünschten Betten und Nachttische des letzten Transportes waren vor Ort. Es wird auch weiter am Krankenhaus renoviert.
Aus Zeitgründen lehnten wir die Einladung zum Mittagessen ab und die Formalitäten erledigten wir im Bus.
Gegen 17 Uhr erreichten wir unsere Wohnung in Lviv. Abends richteten wir uns eine kleine Brotzeit und ließen zusammen mit Peter Malter den Tag ausklingen.
Samstag, 21.10.2006
Ausschlafen. Fahrt in die Stadt um Christbaumkugeln anzuschauen. Gang über den Künstlermarkt und nachmittags Treffen mit Frau Dr. Iwasjuk im Cafe. Abend zuhause.
Sonntag, 22.10.2006
Peter Malter und Sepp Rammelsberger machten Besorgungen in der Metro. Maria Salak und ich waren in der Dominikanerkirche zur Messe.
Treffen mit Herrn Lemyk, dem Leiter der griechisch-katholischen Caritas bei „Pani Stefa“ mit Peter Malter und Herrn Lemyk. Maria Salak bat Herrn Lemyk, die Paketverteilung für die Bedürftigen in Lviv zu übernehmen. Herr Lemyk hat sich gerne bereit erklärt das zu übernehmen. Er will auch durch Besuche die Bedürftigkeit der Familien überprüfen lassen.
Er berichtete uns über das durchaus gelungene Projekt „Computer für Straßenkinder“. So hat die Caritas ein drittes Standbein in der Arbeit mit Straßen- und benachteiligten Kindern. „Essen auf Rädern“ – das zu den Straßenkindern gebracht wird. Ganztagesversorgung von Klein- und Kinder-gartenkindern aus Problemfamilien und nun das Computerprojekt. Hierzu wurden eine Psychologin und ein Computerfachmann angestellt. Herr Lemyk berichtet uns auch, dass die Caritas Lviv am 26.10. ihren 10j-hrigen Geburtstag feiern wird. Auf unsere Frage wie sie das Fest gestalten erzählt er, dass sie ganz bewusst viele arme obdachlose Menschen eingeladen haben. Sie werden die Menschen mit einfachem Essen bewirten und mit ihnen zusammen feiern. Er hat auch die Presse und das Fernsehen eingeladen, um das Augenmerk auf die herrschende Not zu lenken.
Gegen 16 Uhr wieder in der Kopernikastraße. Am späten Nachmittag Besuch bei Frau Wosnytsja.
Montag, 23.10.2006
Am Donnerstag war auf Bitten vom Bürgermeister aus Chodoriv, der an diesem Tag in dienstlichen Angelegenheiten unterwegs war, ein erneuter Besuch festgelegt worden. Mit auf dem Programm stand der verschobene Besuch im TBC-Sanatorium Zurawno.
Kurz nach 9 Uhr in Chodoriv. Freundlicher Empfang von Bürgermeister Horatschek. Er berichtete, dass die Arbeit im Stadtrat, obwohl immer noch Angriffe von Seiten des alten Bürgermeisters kommen, langsam besser wird. Dass die Menschen langsam Vertrauen zu ihm und den neuen Stadtrat bekommen hat maßgeblich damit zu tun, dass die Ukraine Aktivhilfe Chodoriv wieder anführt und dafür dankt er uns ganz herzlich. Peter Malter fragt wie weit sein Hilfsprogramm für die alten Menschen, von denen er uns im April erzählt hat, gediehen ist. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der Gemeinde wird dieses Projekt verschoben.
Die Ausstellung des 2. Visums für die Fahrten nach München wird angesprochen. Die Anträge sind gestellt und Ende Oktober führt sein Stellvertreter nach Kiew in der Hoffnung, dass das Visum endlich ausgestellt wird.
Der Bürgermeister fragt ob es möglich ist, die humanitäre Hilfe auf die Dörfer um Chodoriv auszudehnen. Hier soll eine Liste der Bedürftigen erstellt werden und ihnen soll im gleichen Verfahren wie den Menschen in Chodoriv nach Kräften geholfen werden.
Besonders gebraucht werden – außer Kleidung: Alte, gebrauchsfähige Elektrogeräte, Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernseher, Heizgeräte, Mikrowellen etc.
Bürgermeister Horatschek überbringt uns den Dank der Leitung der Psychiatrischen Klinik. Der Klinik werden nur Gelder für Lohn und Essen ausgezahlt. Für alles andere ist die Klinik selbst zuständig. So war die von uns gegeben Hilfe ein großes Geschenk und auch eine Hoffnung, dass sie nicht ganz vergessen sind.
Um 10.00 Uhr waren wir auf dem Weg nach Schurawno. Maria Kalynec begleitete uns.
Das Ersatzhaus für die Kinder befindet sich in gutem Zustand und wäre eigentlich bezugsfertig. Es fehlen noch 150.000,– Hr., soviel brauchen sie noch um die gesamte Elektrik einzubauen und die vorhandenen 50.000 Hr. Schulden zu tilgen (ca. 22.000 Euro). Auf unsere Bitte zeigt er uns das fast fertige Haus. Schöne helle Zimmer, gute sanitäre Anlagen, aber keine Duschen. Die Kinder müssen zum Baden und Duschen über den Hof in das nebenan stehende Badehaus laufen. Die von uns gespendeten Betten stehen schon in den Räumen. Uns fällt auf, dass in allen Zimmern die Steckdosen und Schalter fehlen. Wir erkundigen uns beim Direktor, ob das Sparmassnahmen sind. Der Direktor informiert, dass es eine gesetzliche Verordnung gibt, dass in Schlafräumen keine Steckdosen montiert sein dürfen. Das Licht wird zentral an- und ausgeschaltet und es wird keine Möglichkeit einer Nachttischlampe oder das Abspielen eines Kassettengerätes geben.
Außerdem informiert er uns, dass die Regierung den Wiederaufbau des Schlosses mit 1,2 Mio. fördert. Es werden aber ca. 5 ½ Mio benötigt. Bis Anfang Dezember soll ein Dachstuhl über das ausgebrannte Schloss errichtet werden.

Wir lassen uns noch durch das alte Haus führen. Hier sind die Schul- und Schlafräume. In einem Schlafraum zähle ich mehr als 30 Betten, eng an eng gestellt, ohne Stühle und Nachttischchen. Es gibt nichts Persönliches für die Kinder. Wir werden in den großen Turnsaal geführt in dem die Stapelstühle der „Städtischen Berufsschule für Fachkräfte in Arztpraxen und pharmazeutische Angestellte“ stehen. Der Turnsaal wird auch als Aula benutzt und die Stühle waren sehr willkommen.
Im Speiseraum wurden die Tische für das Mittagessen vorbereitet. Blechnäpfe wurden verteilt. In der Küche roch es sehr gut, aus verschiedenen Töpfen stieg Dampf auf. In einem Nebenraum standen ziemlich mitgenommene, aber immer noch funktionsfähige Back- und Bratöfen.
Bevor wir den Heimweg antraten, mussten wir noch einmal nach Chodoriv. Wir trafen noch einmal den Bürgermeister und einige Menschen hatten sich vor dem Bürgerhaus eingefunden um mit Maria Salak zu sprechen. Leider konnten wir uns nicht lange aufhalten, denn in Lviv wartete Dr. Loszynsky und Dr. Ivasjuk auf uns, und ein kurzer Besuch im Straßenkinderheim der Caritas, stand auch noch auf dem Programm. Für den Abend hatten wir eine Einladung von Dr. Wosnyzja und seiner Frau zum Abendessen.
Im Straßenkinderheim empfing uns die Leiterin. Maria besprach mit ihr die Modalitäten für die Paketverteilung. Anschließend ließen wir uns den Computerraum zeigen. Vier Computer stehen den Kindern zur Verfügung. Die Leiterin berichtete, dass dieses Angebot sehr gerne angenommen wird und ein großer Erfolg ist.
Dienstag, 24.10.2006
Abreisetag!
14.00 Uhr Abreise. Grenzformalitäten ohne größere Schwierigkeiten.
Mittwoch 25.10.2006
Gegen 10 Uhr Ankunft in München.
Brigitte Hovland
Oktober 2006